Er tritt im Schutz der Dunkelheit des Fünf-Uhr-Morgens auf den unter seinen Füßen knarzenden, frisch gefallenen Schnee und zündet sich eine Zigarette an. Der schneewettervergilbte Himmel und der reflektierende Schnee rauben der Dunkelheit einen Teil ihres Schutzes und lösen Unbehagen in ihm aus.
Zunächst beobachtet er noch gedankenlos, wie sich die ersten Aschekrumen auf dem Weiß abzeichnen und sein vom blauen Dunst geschwängerter Atem noch meterweit in der Winterluft zu sehen ist. Während seine Füße sich vorsichtig, beinahe wie von selbst über Schnee und Eis immer weiter der Haltestelle entgegen tasten, überkommen ihn die immerselben, wiederkehrenden Fragen.
Ist es nicht pervers, dass andere über meinen Tagesrhythmus richten und ich dabei nicht einmal das meiste Geld verdiene?
Was machen Ladyboys eigentlich beruflich, nachdem sie dem Knabenalter entwachsen sind? Finden sie direkt eine Anschlussbeschäftigung als Vollzeit-Shemale oder ist das am Ende das gleiche?
Und wie viel mehr als ich verdienen eigentlich die Nutten von gegenüber, die sich stunden- und tageweise dort einmieten?
Glaubt die Cracksüchtige mit den eingefallenen Gesichtszügen wirklich, sie würde nicht auffallen, wenn sie um den Fahrradständer schleicht als würde sie eine Kontaktlinse suchen?
Parken die Kauflandmitarbeiter von nebenan eigentlich beim Penny nebendran den Parkplatz zu, um denen das Geschäft zu versauen? Und revanchieren sich die Pennymitarbeiter, indem sie das Kauflandparkhaus mit ihren Autos blockieren?
Kann ich Existenzgründerförderung beantragen, um selbstständiger Frührentner zu werden?
Als die Glut beginnt seine angefrorenen Fingerkuppen zu verbrennen, schnippt er die Zigarette in den Schneehaufen vor ihm. Mit dem kurzen Schmerz sind auch die Gedanken verbrannt und er ist bereit, sich gedankenlos der Arbeitswelt zu stellen.
Freitag, 27. Januar 2017
Mittwoch, 18. Januar 2017
Liebesgedicht
du bist der wind unter meinen flügeln, das schmiermittel für mein schaltgetriebe
deine augen funkeln wie sterne, du bist meine einzige liebe
warum hab ich jetzt so 'nen scheiß geschrieben?
ich versteh' die worte, doch verbind mit ihnen keine gefühle
abgedroschene liebesmetaphorik
ist schlimmer als das, was in manchen kriegen vorgeht
Doppelleben
ich muss von sieben bis vier zuverlässig sein
und halt danach irgendwann mein' bullshit schreiben
ich brauch die arbeit für's dach überm kopf und gelegentlich was zu essen
doch leb immer in der sorge, der chef erfährt von den texten
denn es geht um suff, sex und den gelegentlichen drogenrausch
leute für zehn minuten in geiselhaft nehmen und manchmal tost applaus
dann mitten in der nacht durch die halbe stadt latschen
oder stundenlang in der kälte auf die bekackte bahn warten
nur um gefühlte minuten später wieder den wecker zu verfluchen
kaffee und aspirin sind mein frühstück wie für andere vom bäcker 'n stück kuchen
und selbst wenn ich mal wieder nur nächtelang an texten schreib
manifestiert der schlafentzug in mir den menschenfeind
und so mim' ich den restlos, rastlos abgefuckten
dem zu jeder zeit alle anderen grad egal sind
inszenier mich als zyniker und einsiedler
doch wird's dann samstag auf meinem sessel, bin ich allein und wein wieder
Sonntag, 8. Januar 2017
Wozu?
und ihr schreit nach härteren strafen
besorgt euch fackeln, mistgabeln
pädophile sollen sofort ihren schwanz verlieren
damit sie und andere niemals wieder ein kind berühren
mörder haben für euch jedes recht auf menschlichkeit verwirkt
aufdass ein jeder von ihnen bei wasser und brot erfriert
wegen ein paar flüchtlingen wünscht ihr euch die grenzen zu
oder wahlweise auch rechtes pack in den sack und dann schlägt man kräftig zu
ihr fordert an allen ecken und enden schnell und hart gerechtigkeit zu schaffen
doch wünscht euch eigentlich lynchjustiz wie in den schlechten alten tagen
und vom volksentscheid auf bundesebene erhofft ihr mehr demokratie
denn ihr wähnt euch in der mehrheit und dass es jeder so sieht
wozu aufklärung? wozu humanismus? wozu modernes strafrecht?
wenn ihr zeiten der gefühlten unsicherheit doch wieder nach kammern voll gas lechzt
Duschkabine
so viel besser ist kapitalismus auch nicht, es ist nur länger gutgegangen
das ist ein bisschen wie kabine oder duschvorhang
hat man sich erst dran gewöhnt, heißt ich bin ein gemachter mann
auch nix anderes als ich leb aus vollem herz den klassenkampf
und wenn man sich mal wieder den porsche nicht leisten kann
dann wird man halt busfahrer, das kompensiert auch für den kleinen schwanz
an deren stelle würd' ich das land ja auch verlassen, wenn ich das nötige kleingeld hätte
aber im moment reicht's eben nur für 'ne beschissene einzelzelle
also scheiß ich aus vollem herzen auf das korrektiv zum glück
denn wir sind doch alle längst alle kollektiv entrückt
Toleranz?!
natürlich seh ich hautfarben und rollstühle, ist ja nicht so, dass ich blind wär
und natürlich guck ich nach brüsten und ärschen, ist ja nicht so, dass ich noch kind wär
aber vor allem interessiert mich das wieso, weshalb, warum
doch statt einfach zu fragen, bleib ich meistens lieber stumm
und so bleibt ataraxie für mich das anstrebsame ideal
denn dann wär mir endlich wirklich alles egal
nie mehr hättest du mal lieber was gesagt, nie mehr zweifel im nachhinein
und nie wieder für ich hab kein problem mit diesem und jenem drei euro ins phrasenschwein
denn mit dem eigenen kopf als einzigem echten gesprächspartner
bleibt meine toleranz eine unüberprüfte these im lebensalltag
Dienstag, 3. Januar 2017
Thekenthesen
es schlägt dreiviertel zwölf
der tod hat das gebäude umstellt
er ist mir letztendlich doch auf die schliche gekommen
dabei hab ich mich nicht mal entsetzlich beschissen benommen
also hat mich wohl doch mein lebensstil inzwischen eingeholt
weil mir nach zehn deckeln jetzt der rausschmiss aus der kneipe droht
und auch der inkasso-typ spielt mit mir hasche
nach dreißig tagen urlaub, erstmal hundertzwanzig kasse
jetzt mal ehrlich, jeden tag migräne, jeden zweiten zahnschmerzen
moody's sollte mich so langsam echt mal abwerten
mein rücken hat sowas wie tragkraft nicht erfunden
deswegen geht mein blick immer krankhaft richtung unten
noch viel mehr als der rest, spottet meine körpermitte dem adonis
mit den knien geht's los und ich werd langsam katatonisch
ich glaub die midlife-crisis mit fünfzehn war schon reichlich optimistisch
und obwohl ich die letzten kröten zusammenkratz', die nutte im hotel fickt nich'
ich würd wirklich lieber die beine in die hand nehmen
aber mit einer hand am tresen, kann ich leider nur den sicheren stand wählen
alkohol hilft, betäubt und hält die gedanken fern
sonst würde ich bestimmt längst im gefechtspanzer fahr'n
so kotz' ich nur weiter abend für abend wildfremden vor die füße
würd gern dem kneiper danken mit reichlich trinkgeld für die mühe
doch statt an sedativa, crack, coke
berausch ich mich am negativen cash flow
so liegt mir die welt zu füßen oder ich ihr
ich verzichte auf essen und liebe, aber nicht bier
von hause aus ein schüchterner exzentriker
kann nur der widerspruch in sich meine existenz sichern
hauptsache auch mit einsacht aufm kessel kein wort sagen
interessier ich mich für alles, außer kunst, kultur und breitensportarten
bin inzwischen derb verpeilt und hart verstrahlt
und tanz tag für tag den seilakt auf natodraht
bis zur pumpgun muss arbeit auch weiter irgendwie täglich gehen
denn sonst fehlt mir sogar das geld, mir das leben zu nehmen
Donnerstag, 29. Dezember 2016
Business as Usual
irgendwie konnten nutten für mich einfach nie ihren zweck erfüllen
als würde ich nicht merken, dass sie nur erzählen, was sie denken, was ich hören will
*****
Sie haben sich vor etwa fünfunddreißig Minuten kennengelernt und seit dreißig davon sind sie nackt. Abgesehen von dem unbefleckten, über seinen Schwanz gezogenen Präservativ ist er das immer noch, während sie bereits aus dem Bett gestiegen ist, sich ihren Tanga angezogen hat und nun zur Tür geht. "Ich werde jetzt die Tür aufmachen, damit die wissen, dass alles in Ordnung ist. Du kannst dich gern im Bad waschen und anziehen. Dann können wir noch ein bisschen reden, wenn du willst." Sie öffnet die Tür und macht kurz einen Schritt raus und wieder rein. "Möchtest du was trinken? Ich kann dir Eistee oder Wasser anbieten." Er spuckt gerade aus, nachdem er sich den Mund unter dem Wasserhahn ausgespült hat und wischt sich mit dem Handrücken die Lippen trocken: "Ja... Eistee... bitte... danke!" Er zieht sich seine Boxershorts an und riecht an seinen Achseln. Kalter Schweiß, Suff und noch nicht ganz so kalter Schweiß. Er hält seine Hände unter den Wasserhahn und reibt sich kurz mit kaltem Wasser den Oberkörper und das Gesicht ab, bevor er sich mit einem der Handtücher abtrocknet. Er sieht in den Spiegel, reibt sich das Gesicht und setzt seine Brille wieder auf. Er fühlt sich nicht schmutzig oder beschämt, zumindest nicht wegen dem, was andere in seiner Lage beschämen würde. Er zieht sich seine Sachen an, bis auf die Socken, mit denen geht er wieder ins andere Zimmer und setzt sich auf einen der beiden Sessel - völlig unmöglich in seinem Zustand das Gleichgewicht zu finden, um sie im Stehen anzuziehen. Sie hat sich inzwischen, wieder in Arbeitskleidung, auf den Hocker vor dem Zimmer gesetzt. "Das Glas auf dem Tisch ist deins." Er nickt und holt Tabak, Papers und Filter aus seiner Hosentasche: 'Du bist vielleicht immer noch zu besoffen, deine Socken einfach so im Stehen anzuziehen, aber das muss jetzt klappen.' Er dreht sich eine Zigarette, sie steht währenddessen vom Hocker auf, holt einen Aschenbecher aus dem Zimmer und setzt sich mit ihm in der Hand wieder hin.
Er geht zu ihr rüber und stellt sich neben der Tür in den langen Flur. Einer seiner Freunde und eine ihrer Kolleginnen eilen gerade, jeder von ihnen nur in ein Handtuch gewickelt, von einem Zimmer in ein anderes. Er zündet sich seine Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug, während er ihr tief in die Augen sieht: "Und wo kommst du her?" Blöde Frage, das weiß er selbst, aber ein Akzent ist nunmal nicht unbedingt der schlechteste Aufhänger für ein wenig Small Talk. Sie erzählt ihm, sie sei aus Ungarn und da er erschreckend wenig über dieses Land weiß, fragt er einfach, ob sie diesen Job schon immer machen wollte. Er hat das Gefühl, seine Fragen würden immer dümmer. Sie fährt fort, dass sie eigentlich gelernte Schneiderin sei und keine Anstellung bei angemessener Bezahlung gefunden habe, weshalb sie jetzt seit ein paar Jahren das hier mache. Er hat seine Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Geschichte, nicht weil er ihr grundsätzlich die Ehrlichkeit absprechen will, sondern weil seine eigene Lüge zum Auftakt ihrer Geschäftsbeziehung ihn beschämt. Er würde bald heiraten und dies sei sein Junggesellenabschied. Bullshit! und das weiß sie ziemlich sicher auch. Er und seine Kumpels haben sich diese beschissene Geschichte als Begründung ausgedacht. Warum eigentlich? Sie brauchten keinen vorgeschobenen Grund, um an diesem Abend zu saufen, sie haben es einfach getan. Sie brauchten auch keinen vorgeschobenen Grund, zu rauchen und haben es einfach getan. Aber als sie im Laufe des Abends keinen Stich landen konnten, es aber gerne wollten und dafür den Geldbeutel aufmachten, da brauchten sie auch plötzlich eine konstruierte Geschichte, um daraus eine Rechtfertigung zu ziehen. Er ist sich sicher, sie hat im Laufe der Jahre zu viele Männer kennengelernt, um das nicht zu erkennen und deshalb zweifelt er ihre Worte an, denn wieso sollte sie ihm jetzt die Wahrheit erzählen, und er schämt sich für die eigene Geschichte. Dass er sie für ein bisschen gemeinsame Zeit bezahlt hat: Scheißegal! Dass er in der halben Stunde nicht zum Höhepunkt gekommen ist: Scheißegal! Aber eine Professionelle anzulügen, das macht ihn ein Stück weit fertig, denn er hätte ihr überhaupt keine Geschichte auftischen müssen, so funktioniert das Geschäft nicht. Es ging ihm und seinen Freunden nur darum, das eigene Handeln irgendwie vertretbarer erscheinen zu lassen, um sich selbst dabei ein wenig besser zu fühlen und dass das kompletter Schwachsinn war, wird ihm jetzt bewusst, während er ihr halbwegs aufmerksam zuhört. Sie scheint ganz nett zu sein, privatwirtschaftliches Interesse hin oder her.
Er drückt seine Zigarette im Ascher aus, verabschiedet sich von ihr und setzt sich zu zwei seiner drei Freunde auf der Couch im Eingangsbereich. Sie beschließen noch ein wenig auf den vierten zu warten. Er wälzt weiterhin die Gedanken in seinem Kopf von A nach B und wieder zurück. Seine beiden Freunde wollen wissen, wie es bei ihm lief. "Alles super!" warum jetzt mit dem Lügen aufhören, das hat auch bis nach dem Schlafen Zeit. Eine halbe Stunde vergeht, bis sie in ihren Straßenklamotten an der Couch vorbei kommt. "Und wie war mein Kumpel?" poltert es aus einem der beiden anderen heraus. Sie versichert er sei ganz toll gewesen und streichelt ihm dabei über die Schulter, als wüsste sie über jede Kleinigkeit in seinem Kopf Bescheid. Er beschließt eines Tages zurückzukehren und ganz ehrlich, vor allem zu sich selbst, dem ganzen Konzept noch eine Chance zu geben.
Donnerstag, 22. Dezember 2016
Wohngeldantrag
ich glaub, ich gehör zu 'ner neuen generation von klugen menschen
die zwar ums verrecken niemals ein studium beenden
und ihre zeit stattdessen mit was gutem verschwenden
abwechselnd am bier nippen, an eis und tusen lecken
nach dem ersten schluck verlier ich schnell das augenmaß
bis ich es dann ruckzuck einfach laufen lass
als menschgewordener melting pot of pop culture
wart' ich seit zehn jahren drauf, dass ich auch mal im kopf alter
meine vorbilder heißen halt immer noch P.O.S., Slug und Scroobius Pip
und so lang die welt mir auch weiterhin munition gibt
such' ich mir doch lieber wieder 'nen wohngeldantrag raus
und füll ihn irgendwann sogar mit rotgelben markern aus
bis dahin verhält sich meine bartlänge antiproportional zur anzahl ficks, die ich gebe
also wenn ich unrasiert bei dir aufkreuz', rechne dir aus wie wichtig ich dich nehme
immer nur ich, ich, ich. mein leben ist nunmal ein einziger langer egotrip
meine wortwahl der grund, dass es für mich manchmal schläge gibt
immer nonchalant entlang der grenze zur beleidigung
erschein ich in tüll und samt bei meiner steinigung
denn das leben ist nix weiter als ein scheiß witz
doch wenn man mit sich selbst halbwegs im reinen ist
ist einem zumindest auch nix, aber wirklich gar nix mehr peinlich
egal ob saufen im park früh um halb zehn
oder auf arbeit zum frühstück einen dreh'n
das muss man verstehen, ich grenz mich nunmal krankhaft ab
und erschlag fitnessfreaks zwischen zwei sets mit der hantelbank
und verdammt ich will auf arbeit keine lust bekommen
mir reicht der verfickte nullachtfuffzehn-job
hauptsache ich hab genug geld zum fressen und scheißen
jeden tag meine paar bier und genug zeit, um texte zu schreiben
über das spiel aus attitüden, plattitüden, partylügen und ein paar intrigen
nsonsten leb' ich den kategorischen imperativ, hab das recht dir eine reinzuhauen
denn schließlich will ich auch aufs maul, wenn ich scheiße bau
und so üb' ich schon seit jahren den harten blick
doch fürchte, meine augen verraten
fuck it! das leben kennt keinen zusammenhang oder 'ne katharsis, nur weil sie filme haben
also warum sollt' ich in einem text plötzlich mehr als den klaren cut wagen
Freitag, 16. Dezember 2016
Operation Zefram Cochrane
ich ziehe durch die
straßen, freudestrahlend
denn mein größter
wunsch ging in erfüllung, eines abends
während sich die
supermächte an ihrer beute labten
hatte die atomlobby
einfach die schönste leuchtreklame
und während die
isotope in meinem körper zerfallen
hört man meine
letzten worte über den wörthersee hallen
das verstrahlte bier
in der hand, jodtabletten übers wasser schnippen
sitz ich da und
genieß den sonnenuntergang mit meinen achtzehn titten
mein neuer lifestyle:
bester, letzter mensch auf erden
meine aufgabe: noch
ein kleines bisschen besser werden
denn nach dem sturm
kamen die marodeure
jetz zieh'n sie mit
ak's richtung abendröte
priester dirigieren
im kampf gegen sie knabenchöre
doch die zukunft ruht
auf den schultern der tagelöhner
und ich betrachte die
szenerie von meinem felsvorsprung
blick in den
sonnenuntergang, selten war die welt so bunt
wie nach dem kollaps,
denn ich hab charlene an meiner seite
es gibt viele wie sie,
doch sie ist meine
doch so glücklich ich
bin, ich würd töten für 'ne hand voll klopapier
auftritt der verrückte,
um mir wieder zu erzählen, wir wär'n alle hutmacher hier
ich erwider nur,
weißte noch ice cube sagte mal every hoods the same
vermisst du nicht
auch, dass die zeugen sonntag nachmittag klinken putzen gehen
immer kurz nachdem
mutti wie einst die feddersen ruft die wanne is' voll
man aber grad in dem
moment dann nicht mehr weiß, ob man da jetz wirklich baden soll
doch das alles ist
jetzt scheinbar lang schon vorbei
ist das das gelobte
land oder doch nur folge der atombarberei
und er zuckt mit den
schultern, ganz wie ich's schon erwartet hatte
"lösch das feuer
vor einbruch der dunkelheit du schiebst heut' die erste wache"
und ich schmieg mich
an charlene, in mein provisorisches schlaflager
die munition ist gold
wert also denk ich nochma ans grundlagentraining in krav maga
und denk so bei mir,
früher waren römische münzen leumundszeugen für geschichtsschreiber
die zukunft im blick,
made in china im hinterkopf, erkenn ich ein taubstummer blinder bringt einen da
nur bedingt weiter
also nehm ich mir vor
meine version meiner zeit festzuhalten, was war, wie es kam
jede zeit braucht
doch 'nen guido knopp und ganz besonders in diesen tagen
nur das eigentliche
ziel darf mir dabei niemals nie nicht aus dem kopf geh'n
wir müssen das morgen
retten, 'ne arche bauen - operation zefram cochrane
naja ich kann ja
vielleicht erstma kurz zusammenfassen
wie die dinge in der
rückschau hier zusammenpassen
die borg-königin kam
nicht aus der zukunft, sie versteckte sich in einem ipad
studierte
menschliches verhalten, hat den aufstand der maschinen vorbereitet
mit einer
selbstverbessernden gratis-app namens skynet
ja sicher klingt weit
hergeholt, aber von der wahrheit kein fuß breit weg
die maschinen haben
uns nie als batterien gefarmt und enteignet
sie wurden vorher
durch den elektromagnetischen impuls schnell beseitigt
denn die
selbstverbessernden künstlichen intelligenzen schufen sich ein klassensystem
wir
richteten die waffen auf sie, ließen die bombe fallen, dann war in jeder maschine
ganz kurz ein mensch zu sehen
und
jetzt streifen wir durch steppen, wo früher einmal städte waren
strahlungswetter
und nuklearer winter sind die letzten verbliebenen wetterlagen
doch
inzwischen bahnt sich das grün hier und da den weg durch staub und asche
durch
die reste von asphalt und teer und die fasaden der grauen platte
ein
schimmer hoffnung in einer welt gefressen von der eignen schöpfung
der
ich auch angehör bis mich der kampf niederstreckt oder meine erschöpfung
bin
nicht sicher, will ich das beste für mich oder doch für die zukunft?
weiß
nur ich muss nach montana, cochranes raketensilo meine einzige zuflucht
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